Unser bestes Stück (2024)

Unser bestes Stück

von Hugo Rendler

Die Laientheatergruppe möchte ein anderes Stück spielen, das nicht in der Wohnstube stattfindet. Zufällig ist ein Theaterautor in Giessen und bietet an, nach schriftlich Anfrage von Herbert für die Truppe ein Stück zu schreiben: „Die Bushaltestelle“. Es ist der erste Probeabend im Gemeindehaus bei Vollmond. Einige Schauspieler wissen noch nicht, was sie erwartet. Klar ist nur: Dieses Jahr wird der Schrank keine Rolle spielen und kein Mann wird in Frauenkleidern auftreten.

Dass die Dinge schräger werden als erwartet, liegt nicht an der Truppe. Der Theaterautor hat ein Auge auf die jüngste Schauspielerin geworfen, die eine unscheinbare Bankangestellte ist und in einer Woche heiratet.

Fotogalerie

Aufführungen:
16. / 22. / 23. November 2024, 06. / 07. / 08. Dezember 2024
10. / 11. / 12. / 17. / 18. Januar 2025
Kartenreservierung : 0641 – 73724

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Bericht aus der Presse:

Gießener Anzeiger

Bühnenschmankerl in St. Bonifatius

Das Gießener Ensemble lädt mit seiner neuen Komödie über ein Laientheater zum Lachen ein.


Emotionales Zusammentreffen an der Bushaltestelle: Die Darsteller (von links) Annette Filippi, Michael Bayer und Anny Ambrósio in der Komödie »Unser bestes Stück«. Foto: Schultz © Schultz

Gießen . Mit einem schwungvollen Komödienspektakel begeht das Theater Musenkeller jetzt das Jubiläum seines 30-jährigen Bestehens. In »Unser bestes Stück« in der Inszenierung von Guy Sagnes werden die Rollenklischees lustig verspottet. Und die Darsteller, allesamt bestens gelaunt und disponiert, geben im Bühnenraum unter der Bonifatiuskirche ihrem Affen Zucker. So soll es sein, und am Samstag lief die ausverkaufte Premiere rund wie ein Uhrwerk. Das Publikum schüttelte sich teilweise vor Lachen.

Das Stück aus der Feder von Hugo Rendler schaut hinter die Kulissen eines Laientheaters. Es lässt den Theaterautor Peter O. Sinkewitz (Michael Bayer brennt wie eine Wunderkerze) an der Inszenierung mitwirken, wobei er sich in eine Darstellerin (Quirlig und stimmungsvoll: Anny Ambrósio) verliebt, während Regisseur Herbert (souverän im Getümmel: Michael Müller) beharrlich am Ablauf des Bühnenwerks feilt.

Sinkewitz lässt das Stück ausdrücklich bei Vollmond in Gießen spielen, wenn sich ein Zauber über die Stadt lege und die Frauen angeblich in einen seelischen Ausnahmezustand geraten. Aber zunächst werden die Rollen verteilt, und zwar nach Alter. Anny Ambrósio spielt die jüngste im Team, die Bankangestellte Biggi, Hanna Weller die Mittlere und Annette Filippi die älteste Sophie (anerkennend »Unser Schlachtschiff« genannt). Hinzukommen Philipp Brenne (lebhaft und natürlich) als Biggis Verlobter und die Gemeindearbeiterin Leo (lebendig und greifbar: Alina Zehan).

Es gibt einen Wunsch an den Erfolgsautor, das Ensemble möchte mal ein Stück ohne Schrank und nicht im Wohnzimmer spielen. Also führt die Geschichte an eine Bushaltestelle, irgendwo »am Arsch der Welt«. Schon bei der »Rollenverteilung« wird Sophie sauer (Annette Filippi als garantierter Spaßbringer). Sie soll vom Bus überfahren werden und hat daher nur eine sehr kurze Rolle, was sie natürlich überhaupt nicht lustig findet. Der Darstellerin, letztes verbliebenes Gründungsmitglied, gibt diese Rolle in der Rolle Gelegenheit, ihr komödiantisches Talent einzusetzen. Sie spielt auch ohne Dialog weiter: ein Hauptgewinn.

Kontrast zwischen Autor und Regisseur

Gut gelungen ist auch der Kontrast zwischen Regisseur und Autor. Als kleiner Gag werden vom Gießkannenmuseum gespendete Kannen als symbolische Handtaschen eingesetzt. Und die Inszenierung hält noch ein paar weitere Schmankerl bereit, etwa die rasend sinnliche Interaktion zwischen Autor Sinkewitz und Biggi, der Bankfrau. Bayer macht das herrlich überdreht und hat in Ambrósio eine kompetente Partnerin; die beiden lassen die Leidenschaft auflodern, ein Vergnügen.

Auch andere Momente erfreuen mit absurdem Humor. Es ist immer wieder ein fröhlicher Klamauk. Schöne Details sind etwa die Nichtnutzung eines Schranks auf der Bühne (»Wir haben doch noch nie ein Stück ohne Schrank gemacht«). Der kommt gegen Ende dann doch noch mit süffiger Ironie zum Einsatz. Dann rauscht plötzlich eine Actionwelle über die Bühne, die allerdings nicht recht einleuchtet. Eine angenehme Note liegt aber darin, dass die Darsteller ihr anspruchsvolles Werk (Komik ist schwer) nicht tierisch ernst verrichten, sondern meist unterschwellig ironisch agieren.

Nach dem Finale würdigte Regisseur Sagnes Darstellerin Annette Filippi als Gründungsmitglied des Ensembles und überreichte ihr eine kleine Skulptur. Riesenbeifall für sie und eine schwungvolle, witzige Produktion, die man garantiert erheitert verlässt.

Giessener Anzeiger – 19.11.2024

Gießener Allgemeine

Wenn bei Vollmond in Gießen…

Das Theater Musenkeller feiert 30. Geburtstag. Zu diesem Jubiläum wird die Komödie »Unser bestes Stück« gezeigt. Das Werk hatte am vergangenen Samstag Premiere.


Mit einem schwungvollen Komödienspektakel begeht das Theater Musenkeller jetzt sein 30-jähriges Jubiläum. In Hugo Rendlers »Unser bestes Stück« in der Inszenierung von Guy Sagnes werden die Rollenklischees lustig verspottet, und die Darsteller, allesamt bestens aufgelegt, geben dem Affen Zucker. So soll es sein, und am Samstag lief die ausverkaufte Premiere rund wie ein Uhrwerk. Das Publikum schüttelte sich teilweise vor Lachen.

Das Stück schaut gleichsam hinter die Kulissen eines Laientheaters und lässt den Autor (Michael Bayer brennt wie eine Wunderkerze) mitinszenieren, wobei er sich in eine Darstellerin verliebt (Quirlig und stimmungsvoll: Anny Ambrósio), während Regisseur Herbert (unbeirrbar souverän im Getümmel: Michael Müller) beharrlich am Ablauf feilt.

Der Autor lässt das Stück ausdrücklich bei Vollmond in Gießen spielen, wenn sich ein Zauber über die Stadt lege und die Gießener Frauen angeblich in einen seelischen Ausnahmezustand geraten.

Aber zunächst werden die Rollen verteilt, und zwar nach Alter. Anny Ambrósio spielt die Jüngste im Team, die Bankangestellte Biggi, Hanna Weller die Mittlere und Annette Filippi die Älteste (eher anerkennend »Unser Schlachtschiff« genannt). Unterstützend agieren Philipp Brennne (lebhaft und natürlich) als Biggis Verlobter und nicht zuletzt die Gemeindearbeiterin Leo (lebendig und greifbar: Alina Zehan).

Ein garantierter Spaßbringer

Es gibt einen Wunsch an den Autor: Die Truppe möchte mal ein Stück ohne Schrank und nicht im Wohnzimmer spielen. Also spielt man an einer Bushaltestelle irgendwo »am Arsch der Welt«. Schon bei der »Rollenverteilung« entzündet sich Annette Filippi und brennt ab da mit kontrollierter Flamme, wie immer ein garantierter Spaßbringer. Sie soll vom Bus überfahren werden und hat daher nur eine sehr kurze Rolle, was sie natürlich superschlecht findet, was ihr wiederum Gelegenheit bietet, ihr komödiantisches Talent voll und kontrolliert einzusetzen. Sie arbeitet gleichsam durch und spielt professionell auch ohne Dialog weiter, und ist damit, wie immer, ein Hauptgewinn.

Gut gelungen ist der Kontrast zwischen Müller und Bayer als Regisseur und Autor. Als kleiner Gag werden vom Gießkannenmuseum gespendete Kannen als symbolische Handtaschen eingesetzt. Doch die Inszenierung, wie üblich in den physischen Aspekten schön rund gestaltet, hält noch ein paar Schmankerl bereit, etwa die rasend sinnliche Interaktion zwischen Autor O. Sinkewitz und Biggi, der Bankfrau. Bayer macht das herrlich überdreht und hat in Ambrósio eine kompetente Partnerin; die beiden lassen die Leidenschaft auflodern – ein Vergnügen. Auch andere Momente erfreuen mit guter Sinnhaftigkeit und zugleich absurdem Humor.

Es ist immer wieder ein fröhlicher Klamauk. Schöne Details sind etwa die Nichtnutzung eines Schranks auf der Bühne (»Wir haben doch noch nie ein Stück ohne Schrank gemacht«). Der kommt gegen Ende dann mit süffiger Ironie doch noch zum Einsatz. Dann rauscht plötzlich mit hektischen Läufen von Philipp Brenne eine Actionwelle über die Bühne, die nicht recht einleuchtet.

Eine angenehme Note liegt darin, dass die Darsteller ihr anspruchsvolles Werk (Komik ist schwer) nicht tierisch ernst verrichten, sondern meist unterschwellig ironisch agieren, was ihrem Tun einen schönen Fluss verleiht.

Hinterher würdigte Regisseur Sagnes Annette Filippi als Gründungsmitglied des Ensembles und überreichte ihr eine kleine Skulptur. Riesenbeifall für sie und eine schwungvolle, witzige Produktion, die man garantiert erheitert verlässt.

Giessener Allgemeine – 20.11.2024


Zum 30. Jubiläum

Sie nehmen sich den Raum

Das Gießener Theater im Musenkeller feiert sein 30-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsstück. Neueinsteiger sind dem Ensemble weiter willkommen.

Das Ensemble im Musenkeller (von links): Anny Ambrosio, Alina Zehan, Annette Filippi, Michael Müller, Hanna Weller, Philipp Brenne und Michael Bayer. Fotos: Theater im Musenkeller © Theater im Musenkeller

Gießen. Ob Komödie, Krimi oder Tragödie: Das Gießener Theater im Musenkeller hat sich in den vergangenen 30 Jahren schon in den unterschiedlichsten Schauspielgattungen ausprobiert. Diesmal »lassen wir das Publikum ein bisschen hinter die Kulissen blicken«, verrät Darstellerin Annette Filippi vor der Premiere der Jubiläumsinszenierung. In der Komödie »Unser bestes Stück« geht es um ein Laientheaterensemble, das einen renommierten Autor aus Gießen für seine neue Aufführung gewinnt. Das führt zu einigen Verwicklungen, wie auf und hinter der Bühne zu sehen ist. Es ist ein Stoff, der perfekt zum Jubiläum passt, mit dem die Gruppe ihr 30-jähriges Bestehen feiert. An diesem Samstag gibt es die bereits ausverkaufte Premiere. Zahlreiche weitere Vorstellungen folgen.

Auch Ehen und Kinder gab es schon

Angefangen hat alles im Jahr 1992. Damals fanden sich einige Mitglieder der katholischen Gemeindejugend von St. Bonifatius zusammen, »die einfach spielen und sich auf der Bühne ausprobieren wollten«, wie Annette Filippi berichtet, die als letztes verbliebenes Gründungsmitglied dabei ist. Zwei Jahre wurde damals geprobt, dann gab es 1994 mit »Der nackte Wahnsinn« die erste Premiere in den Katakomben unter der Kirche. Die überdrehte Komödie des US-Autors Michael Frayn erzählt von einer abgewrackten Tourneegruppe, die bei einer Generalprobe zu sehen ist, die im Chaos zu versinken droht.

Davon konnte bei den Gießenern keine Rede sein. Die Gruppe mit einem Stamm von meist acht, neun Personen kam auf den Geschmack – und ab 1997 wurde jährlich an einem neuen Stück gearbeitet. Dabei gab es über die Jahre natürlich immer wieder Zu- und Abgänge. Mal waren es Schwangerschaften, mal ein anderer Berufs- oder Studienort«, erinnert sich Michael Müller. »Und auch Eheschließungen hatten wir hier schon.« An der Lust aufs Theatermachen hat sich aber nichts geändert.

Das Ensemble besteht aus Mitgliedern von Mitte 20 bis Mitte 60, die in Gießen und der Umgebung leben. Annette Filippi ist Zahnärztin, Michael Müller Ingenieur im Ruhestand, hinzu kommen Erzieher, Handwerker, ein Betriebswirt, eine Lehrerin. Für die meisten von ihnen ist das Theaterspielen ein Ausgleich zu ihren Berufen, die nichts mit Kunst und Kultur zu tun haben, wie Annette Filippi sagt.

Zugleich stecken die Ensemblemitglieder eine Menge Zeit in ihre Leidenschaft. Dazu zählt die gemeinsam getroffene Auswahl eines Stücks, das während des Sommers näher einstudiert wird. Im September steht dann meist ein Probenwochenende an, bei dem sich das Ensemble auswärts intensiv mit dem jeweiligen Stoff auseinandersetzt. Und kurz vor der Premiere gibt es dann an mehreren Abenden den letzten Feinschliff, damit bei den elf, zwölf Aufführungen im Musenkeller auch alles sitzt.

Guy Sagnes, ein gebürtiger Franzose, sitzt seit 2007 auf dem Regiestuhl am Rand des Kellers und kümmert sich zugleich um Licht, Ton »und die Notfallsoufflage«, wie es im aktuellen Programmheft heißt. Er versucht, den Ensemblemitgliedern Tipps und Tricks für die Bühne mitzugeben und hat bei der Arbeit entdeckt, wie die Darsteller an Selbstbewusstsein gewinnen. »Wer neu dabei ist, macht auf der Bühne häufig erstmal kleine, vorsichtige Trippelschritte. Aber irgendwann entdecken die Spieler, dass sie sich den Raum auf der Bühne erobern müssen. Und das tun sie dann auch«, hat er beobachtet. So entwickeln sich die Darsteller über die Jahre weiter, wenngleich dem Ensemble auch Neuzugänge ohne jede Bühnenerfahrung immer willkommen sind. »Wir achten dann darauf, dass die entsprechende Rolle passt, sagt Michael Müller. Aber auch fürs Drumherum werden helfende Hände gebraucht: beim Schminken, beim Soufflieren oder in der Technik etwa.

Doch nun freut sich das Ensemble erst einmal auf seine neue Inszenierung, die eigens auf die eigenen Verhältnisse hin umgeschrieben wurde. So erzählt »Unser bestes Stück« humorvoll von einem Gießener Laientheater, das etwa mit widrigen Probenbedingungen zu kämpfen hat, weil nebenan ein Chor probt. Die Liebe spielt eine Rolle, ebenso die Eitelkeit. Und am Ende wartet natürlich ein Happy End auf das Ensemble – und sein treues Publikum.

Probenszene für das Jubiläumsstück mit (von links) Annette Filippi, Michael Müller, Michael Bayer und Anny Zehan. © Red

Giessener Anzeiger – Sie nehmen sich den Raum – 13.11.2024

Aufführungsort

Musenkeller der Bonifatius Kirche
Liebigstr. 28 35392 Gießen