Zimmer mit Frühstück (2023)

Zimmer mit Frühstück
(Petit déjeuner compris)
von Christine Reverho
Deutsch von Manfred Langner

Die Wände eines Hotelzimmers sind gefüllt mit den Geschichten seiner Bewohner. Es ist ein Ort des unverstellten Lebens. Der großen und kleinen Momente, der traurigen und der schönen. In „Zimmer mit Frühstück“ treffen wir auf die unterschiedlichsten Bewohner eines Hotelzimmers und dürfen für einen kurzen Moment an ihrem Leben teilhaben. Woher sie kamen oder wohin es sie danach verschlägt ist dabei nicht von Belang, nur der Moment spielt hier eine Rolle. Das Zimmer wird Zeuge von Anfängen, Enden und allem dazwischen, bis es am Ende eine ganze Menge zu erzählen hätte …

Aufführungen:
4. / 10. / 11. / 24. / 25. November und 09. / 10. / 15. / 16. Dezember 2023
Kartenreservierung : 0641 – 73724

Fotogalerie


Neue Aufführungstermine
am Samstag, 20.01.2024 um 20:00 Uhr
und
am Sonntag, 21.01.2024 um 15:00 Uhr

Ersatzvorstellungen für die ausgefallenen Termine Mitte Dezember 2023

Video

Bericht aus der Presse:

Gießener Anzeiger

Ein Ensemble in bester Spiellaune

Die spritzige französische Komödie »Zimmer mit Frühstück« des Theaters Musenkeller Gießen erweist sich als echter Volltreffer. Die Inszenierung zeigt viele Facetten.


Köstlich und facettenreich: Routinier Michael Müller und Oberkomödiantin Annette Filippi als älteres Ehepaar. Foto: Schultz © Schultz

Gießen. Gute Nachrichten aus dem Untergrund: Das Theater Musenkeller in der Bonifatiuskirche präsentiert sein neues Stück der Saison, die exzellente und spritzige französische Komödie »Zimmer mit Frühstück« von Christine Reverho in der famosen Regie von Guy Sagnes. Das besonders gut aufgelegte Ensemble lieferte in jeder Hinsicht eine Spitzenleistung und versetzte das Premierenpublikum in allerbeste Laune: Volltreffer.

Eigentlich ist es ein normales Stück mit Szenen im Hotel, in dem sich viele Menschen treffen und – im Theater – natürlich Schicksale aufeinanderprallen. Der Clou: Alle Szenen gehen ineinander über, was dem Ganzen einen außergewöhnlichen Charme einträgt. Damit gibt es auch keine Pausen zwischen den Bildern. Das wirkt schnell wie eine zusätzliche Attraktion.

Wohin vor lauter Lebenslust?

Da schaut man interessiert, wie Zimmermädchen Garance (Hanna Weller, sehr abwechslungsreich) sich im Hotelzimmer den charmanten Annäherungsversuchen des Gastes Francis (Michael Bayer mit verblüffend diversen Persönlichkeiten und mehreren tadellosen Dialekten) entzieht. Das endet leise und unentschieden. Dann platzen Anny Ambrósio (ein komisches Naturtalent, das auf der Bühne köstlich aufblüht, im Laufe des Abends immer mehr und deutlich kompetenter als beim zweiten Mal) und Paul Gotwig (neu im Musenkeller, voller Energie und zuweilen etwas zu intensiv) ins Zimmer: Das junge Paar weiß gar nicht wohin vor lauter Lebenslust; sie beleben das Geschehen nachhaltig.

Jetzt sind zum ersten Mal an diesem Abend Oberkomödiantin Annette Filippi (in fünf verschiedenen Rollen immer beseelt bis hysterisch, dabei nuanciert bis ins kleinste Detail) und Routinier Michael Müller (sechs Rollen) auf der Bühne, zunächst als älteres Ehepaar.

Das Ensemble ist in größter Spiellaune, und vor allem bestens vorbereitet. Die Darsteller ruhen sicher in der Rolle und haben ihre Figuren rundum sorgfältig erarbeitet, auch sprachlich: Gotwig bringt einen wunderbaren russischen Dialekt, Bayer spricht gleichsam Französisch und fließend Schwäbisch, was ihm reichlich Extraapplaus einbringt.

Die renommierte französische Autorin (die gut fließende deutsche Fassung kommt von Manfred Langner) kennt alle szenischen Tricks und die Schliche der Dialoge und hält die Action gekonnt am Laufen. Schön, dass sie ein paar innige Situationen dabei hat, die angenehme Kontrapunkte setzen. Etwa wenn Zimmermädchen Garance Besuch von ihrem alkoholisierten Vater (Müller) erhält und die beiden einen glaubhaften melancholischen Moment schaffen.

Durch die Decke geht wieder die Szene, in der Ambrósio und Gotwig eine Spinne fangen müssen. Die macht Gotwig panisch (es erklingt das Schauermotiv aus »Psycho«, witzig), während Ambrósio einfach nur Spaß macht. Dialogisch ist das wie meistens sehr sauber gestaltet und mit überraschenden Facetten, die hier verschwiegen bleiben müssen, und prima gespielt.

Schicke Garderobe und stilvolle Details

Erwähnt werden muss wieder die schicke Garderobe, die das Ganze wirksam abrundet, und außer dem prachtvollen Doppelbett finden sich einige stilvolle Details. Besonders intensiv gerät der stille Moment gegen Ende, in dem Garance (Weller) und ihr Ex-Liebhaber Francis (Bayer) einander treffen und einen sachten, leisen Abschied nehmen. Die gut entwickelte und top gespielte Szene lässt das Publikum stumm und hingerissen zuhören; ein wunderbarer Kontrast zur komischen Ebene.

Die Inszenierung zeigt hervorragend all diese Facetten, die Darsteller sind sich ihrer Rollen ganz bewusst, erstaunlich textsicher sowieso, es ist ein auffällig homogenes Ensemble geworden. So ergibt sich ein sehr angenehmer und dichter Theaterabend, der leicht, aber nicht flach geriet – ein Riesenspaß.

Gießener Allgemeine

Ein Riesenspaß im Untergrund

Gießen (kdw). Gute Nachrichten aus dem Untergrund: Das Theater Musenkeller in der Bonifatiuskirche präsentiert sein neues Stück der Saison, die exzellente und spritzige französische Komödie »Zimmer mit Frühstück« von Christine Reverho in der famosen Regie von Guy Sagnes. Das extragut aufgelegte Ensemble lieferte in jeder Hinsicht eine Spitzenleistung und versetzte das Premierenpublikum in allerbeste Laune: Volltreffer

Anny Ambrósio mit Michael Müller in Aktion. © Heiner Schultz

Eigentlich ist es ein normales Stück mit Szenen im Hotel, wo sich viele Menschen treffen und – im Theater – natürlich Schicksale aufeinanderprallen. Der Clou: Alle Szenen gehen ineinander über, was dem Ganzen einen besonderen Charme einträgt. Damit gibt es auch keine Pausen zwischen den Bildern. Das wirkt schnell wie eine zusätzliche Attraktion.

Auch stille Momente

Da schaut man interessiert, wie Zimmermädchen Garance (Hanna Weller, sehr facettenreich) sich im Hotelzimmer den charmanten Annäherungsversuchen des Gastes Francis, dargestellt von Michael Bayer mit verblüffend diversen Persönlichkeiten und mehreren tadellosen Dialekten, entzieht. Das endet leise und unentschieden.

Dann platzen zwei besondere Figuren ins Zimmer: Anny Ambrósio, ein komisches Naturtalent, das auf der Bühne köstlich aufblüht, im Laufe des Abends immer mehr und deutlich kompetenter als beim zweiten Mal, und Paul Gotwig, der neu ist im Musenkeller, voller Energie und zuweilen etwas zu intensiv. Das junge Paar weiß gar nicht wohin vor lauter Lebenslust; es belebt das Geschehen nachhaltig.

Jetzt sind zum ersten Mal an diesem Abend Oberkomödiantin Annette Filippi (in fünf verschiedenen Rollen immer beseelt bis hysterisch, dabei nuanciert bis ins kleinste Detail) und Routinier Michael Müller, der sechs Rollen spielt, zunächst als älteres Ehepaar auf der Bühne. Das Ensemble ist in größter Spiellaune, und vor allem bestens vorbereitet. Die Darsteller ruhen sicher in der Rolle und haben ihre Figuren rundum sorgfältig erarbeitet, auch sprachlich: Gotwig bringt einen wunderbaren russischen Dialekt, Bayer spricht gleichermaßen Französisch und fließend Schwäbisch, was ihm reichlich Extraapplaus einbringt.

Die renommierte französische Autorin kennt alle szenischen Tricks und die Schliche der Dialoge und hält die Action schön am Laufen. Die gut fließende deutsche Fassung kommt von Manfred Langner. Schön, dass die Aufführung ein paar innige Momente dabei hat, die angenehme Kontrapunkte setzen. Etwa wenn Zimmermädchen Weller Besuch von ihrem alkoholischen Vater (Müller) erhält und sie einen glaubhaften melancholischen Moment schaffen.

Ensemble extragut aufgelegt

Durch die Decke geht wieder die Szene, in der Ambrósio und Gotwig eine Spinne fangen müssen. Die macht Gotwig panisch – es erklingt das Schauermotiv aus »Psycho« – während Ambrósio einfach nur Spaß hat. Dialogisch ist das wie meistens sehr sauber gestaltet und mit überraschenden Facetten, die hier verschwiegen bleiben müssen, und prima gespielt. Erwähnt werden muss die schicke Garderobe, die das Ganze wirksam abrundet. Und auch außerhalb des prachtvollen Doppelbetts finden sich stilvolle Details. Besonders intensiv gerät der stille Moment gegen Ende, in dem Garance (Weller) und ihr Exliebhaber Francis (Bayer) einander treffen und einen sachten, leisen Abschied nehmen. Die gut entwickelte und top gespielte Szene lässt das Publikum stumm und hingerissen zuhören; ein wunderbarer Kontrast zur komischen Ebene. Die Darsteller sind sich ihrer Rollen ganz bewusst, erstaunlich textsicher sowieso – es ist ein auffällig homogenes Ensemble geworden. So ergibt sich ein sehr angenehmer und dichter Theaterabend, der leicht, aber nicht flach geriet – ein Riesenspaß.


Aufführungsort

Musenkeller der Bonifatius Kirche
Liebigstr. 28 35392 Gießen