Musenkeller

Theater Ensemble

„Die Millionärin“


Shaws „Millionärin“ im Theater Musenkeller von ambitionierter Truppe
schwungvoll gespielt, ...


Von Heiner Schultz

Die neue Produktion des Theaters Musenkeller stammt von keinem Geringeren als George Bernard Shaw. Und die Inszenierung von Guy Sagnes glänzt mit einem perfekt funktionierenden Ensemble, das die Geschichte der „Millionärin“ schwungvoll präsentiert.

Bei der ausverkauften Premiere im Keller der Bonifatiuskirche wollte sich dennoch keine Riesenstimmung einstellen. Dabei verfügt das bestens aufgelegte Ensemble mit Hauptdarstellerin Nina Gehring über eine wahre Perle des Temperaments. Wie sie die überkandidelte Kapitalistin aus Leidenschaft geradezu sprühend von Arroganz und Übergeschnapptheit verkörpert, ist aller Ehren wert. Dabei sucht die arme reiche Frau eigentlich nur den richtigen Ehemann, behindert durch testamentarische Verfügungen ihres überfürsorglichen Vaters. Christian Henkel liefert eine differenzierte Verkörperung des glatten, doch nicht gefühllosen Familienanwalts Sagamore. Nicht zuletzt zeichnet Azad Celik als ägyptischer Arzt eine sanft facettenreiche Figur. Und wie erwartet bringen die weiteren Spieler eine hundertprozentig zuverlässige Vorstellung, wobei besonders Annette Filippi und Dominik Müller als Eigner eines Kleinstbetriebs gefühlvoll Leben und Atmosphäre in die Bude bringen.

Doch so tadellos hysterisch bis ins hingehauchte Atmen Gehring ihre Figur auch spielt, so unübersehbar sind die Schwächen des Stücks, vor allem die Längen, die nach durchaus beherzten Streichungen immer noch für einen zähen Ablauf sorgen. Die Inszenierung lässt es vor allem zu, dass Gehring ihr Pulver bereits im zu langen ersten Akt verschießt und keine Entwicklung nach oben mehr möglich ist. Dabei ist ihr lustvolles Outrieren durchaus faszinierend anzusehen, vor allem bei der Präzision, mit der sie agiert. Die Figur entwickelt sich dramatisch jedoch nicht weiter, obgleich der Autor ihr eine Wandlung ins Fürsorgliche zuschreibt. Zudem bleiben den komödienbewährten Darstellern kaum situationsbedingte Pointen zum Funkenschlagen, obgleich sie insgesamt eine heitere Übertreibung praktizieren.

Die sorgfältige Inszenierung baut ein paar wirklich witzige Details ein und setzt auf vollkommene Text- und Sicherheit der Abläufe. So gewinnt sie eine hohe Effizienz, die sich keine Schwächen leistet: alles dafür, dass die letztlich sozialkritische Geschichte möglichst lustig, aber genauso ernst zu nehmend rüberkommt. Das klappt aber nicht, denn eigentlich ist sie in verschiedener Hinsicht eher tragisch.

So sieht man lauter Figuren, die sich komisch verhalten, ohne etwas wirklich Komisches zu tun oder zu sagen zu haben. Wie üblich sorgt der Regisseur routiniert für eine hohe Anzahl von attraktiven Bildern auf der Bühne, und die Kostüme vor allem der Damen sind bestens ausgewählt. Über die genannte Unstimmigkeit zwischen Inhalt und Machart kann das jedoch nicht hinweghelfen: auf hohem Niveau gescheitert. Das Premierenpublikum spendete gleichwohl heftigen, anhaltenden Applaus.

 

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