Musenkeller

Theater Ensemble

„Konfusionen“  


Hervorragend inszenierter großer Spaß


Von Heiner Schultz

„Konfusionen“ -, wenn das kein Titel ist, der perfekt in die Zeit passt. Und so wie das erfolgreiche Ensemble Musenkeller jetzt Alan Ayckbourns Stück in der bewährten Regie von Guy Sagnes umsetzt, wird die Verwirrung der Figuren köstliche Realität. Am Samstag war Premiere vor ausverkauftem Haus im Keller der Gießener St.Bonifatius-Kirche.

Vier Einakter sind‘s diesmal, und schon im ersten Teil „Mutterfimmel“ geht es köstlich rund. Die hoch gestresste Mutter (in allen Rollen unerschütterlich und souverän: Annette Filippi) lässt beim Besuch der Nachbarin (achtbar: Maria Anhut) erkennen, dass sie zwischen Erwachsenen und Kindern nicht mehr unterscheiden kann und auch gar nicht will. Das kriegt ihr störrischer Mann (routiniert: Dominik Heinrichs) zu spüren, als er abhauen möchte: Erst wird die Milch ausgetrunken!

Der ganz routinierte Michael Müller baggert im Hotel dann erst eine (achtbar: Hanna Weller) dann zwei junge Damen an (sicher: Nina Gehring), die sich seinen Avancen mit Mühe entziehen können, wobei Weller unter Müllers entfesselter Verve leicht einknickt: Diese Episode hat Schwächen, auch weil Müllers betrunkene Figur genau betrachtet eher etwas unangenehmer wirkt als lustig. Was das Publikum jedoch ganz anders sieht.

Im dritten Teil treffen sich zwei Paare im Restaurant, das von Ober Christian Henkel nach kurzer Anwärmphase hinreißend betreut wird. Dabei erweist sich Dominik Müller beim Treffen mit Freundin Polly (Hanna Weller) als mitreißend abwesender Mensch, der völlig in der Geschäftswelt lebt und seine Freundin praktisch nicht wahrnimmt. Sagnes hat das saukomisch inszeniert, indem er die Darsteller zuweilen stumm gestikulieren lässt, während am zweiten Tisch gesprochen wird. Michael Müller und Annette Filippi geben da ihren Affen reichlich Zucker, agieren aber wunderbar präzise. Henkel als großartig Augen rollender Ober schaltet sich mit herablassender Kultiviertheit immer wieder maliziös dazwischen („Etwas Gemüse, Madam?“) und bringt die Leute aus dem Takt: zum Schießen und durchgehend perfekt getimt.

Auch das abschließende Treffen aller Darsteller in sehr schön gemachten anderen Rollen beim „Gespräch im Park“ gerät erheiternd: Alle quasseln aneinander vorbei. Sagnes hat auch dies zu einem sehr guten Schluss gebracht, so wie er insgesamt vor allem die Körperarbeit der Darsteller sorgfältig und abwechslungsreich gestaltet - man spürt die Präzision, die im ebenso merklichen Einklang mit dem Ensemble herrscht. Ein hervorragend inszenierter großer Spaß, selbstverständlich Riesenbeifall.

Weiter Aufführungen an folgenden Wochenenden: 13.11. und 14.11., 19.11. und 20.11., 27.11. und 28.11., 3.12. und 4.12. - jeweils 20 Uhr.

 

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Allerlei Durcheinander


Alan Ayckbourns »Konfusionen« im Theater Musenkeller


»Konfusionen« im Theater Musenkeller: Alan Ayckbourns Schauspiel in vier Akten hatte am Samstagabend unter der Bonifatiuskirche Premiere, und das zahlreich erschienene Publikum zeigte sich angetan von den zum Teil scharf kontierten Charakterstudien, skurriler Situationskomik und den Alltags-Grotesken, die der Autor schildert. Unter Regie von Guy Sagnes spielen Maria Anhut, Annette Filippi, Nina Gehring, Dominik Heinrichs, Christian Henkel, Dominik Müller, Michael Müller und Hanna Weller. »Konfusionen« beginnt im Haushalt von Familienmanagerin Lucy, die gerade dabei ist, ihr Fämilienchaos in den Griff zu bekommen. Als das ebenfalls problembeladene Nachbarpaar Rosemarie und Terry vorbeischaut, wird das Konfliktpotenzial eher noch gesteigert und entlockt dem Publikum so manchen Lacher. Lucys Gatte Harry Compton, ein-Mode-Vertreter, ist auf Dienstreise. An einer Hotelbar versucht er, mit der Parfüm-Vertreterin Paula und deren Freundin Bernice anzubändeln. Was noch sittsam beginnt, lässt Harry unter dem zunehmenden Genuss von Scotch zum Kotzbrocken werden, eine Wandlung, die Michael Müller eindrucksvoll darstellte. Akt drei führt zwei Paare in ein Restaurant. Sie wissen voneinander, geben sich aber nicht zu erkennen. Im letzten Akt, Titel »Gespräch im Park«, kommt es ebendort zu allerlei Verwicklungen. Weitere Aufführungen in der Liebigstraße 28 am 13./14., 19./20. und 27/28. November sowie am 3./4. Dezember.   av


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