Musenkeller

Theater Ensemble

Kritiken 2008 - Giessener Anzeiger

"Bunbury" in unbändige Spielfreude

Jeder Satz ein Bonmot:
Musenkeller präsentiert Oscar Wildes Gesellschaftskomödie
GIESSEN (kjf). Es ist ein durchweg witziges Spektakel, das Meisterwerk des britischen Dichters Oscar Wilde. Praktisch jeder Satz in dem turbulenten Verwechslungsspiel ist ein Aphorismus oder ein Bonmot. "Bunbury oder Die Bedeutung ernst zu sein" war der Höhepunkt der Schaffenskraft Wildes, dessen schöpferische Arbeit mit seiner Inhaftierung und Verurteilung wegen "unsittlichem Lebenswandel" jäh endete.
Der Musenkeller im Untergeschoss der Bonifatiuskirche hat sich unter der Regie von Guy Sagnes der "trivialen Komödie" angenommen und sie in bestechender Frische und Spielfreude auf die Bühne gebracht. Mit begeistertem Beifall feierten die Besucher am Samstagabend die Premiere.
Schon Diener Lane, von Dominik Heinrichs mit jener blasierten Vornehmheit gespielt, die man bei uns gern dem britischen Hauspersonal nachsagt, ist ein echter Hinkucker, wenn er das Schlachtfeld des Abendgelages für den Morgentee aufbereitet. Und Michael Müller ist als Algernon Moncrieff eine so gelungene Besetzung, dass man meinen könnte, Wilde habe ihm die Komödie auf den Leib geschrieben.
Der Freund und Zechkumpan John Worthing ist mit Dominik Müller nicht weniger trefflich besetzt, und zusammen wirken die beiden, als seien sie erst einmal gemeinsam um die Häuser gezogen, bevor sie in die Rollen der beiden Lebemänner schlüpften. Christina Küper-Ehler ist als Lady Bracknell ganz im Sinne der Wilde´schen Intentionen eine britische Adelige mit raschem, aber kurzem Verstand.
Die Gwendolen Fairfax spielt Annette Filippi überzeugend als die junge Frau, von der das Publikum bis zum Schluss nicht genau erfährt, ob sie das falsche Spiel ihres zukünftigen Gatten Worthing durchschaut hat und aus Liebe mitmacht. Ebenso überzeugt Nina Gehring als Cecily Cardew, wenn sie ihre Mädchenträume gekonnt mit den Lebensplänen vereinigt.
Dazu gesellt sich Katja Heikenwälder als unvergleichlich Gouvernantenhafte Miss Prism die natürlich - wen auch sonst? - den im Zölibat lebenden Pastor Chasuble liebt, den Gerald Müller in ansprechender Scheinheiligkeit verkörpert. Der letzte im Bunde ist Diener Merriman, dem Dirk Enenkel Leben einhaucht, obwohl die Rolle die einzige ist, die Oskar Wild aus unerfindlichen Gründen ohne liebenswerte Schrullen und ohne geistreiche Sprüche gezeichnet hat.
In unbändiger Spielfreude brachten die Schauspieler das Stück auf die Bühne und die Freude an der Boulevardkomödie teilten die Zuschauer begeistert. Das Stück ist wieder am 14. und 30. November, am 5., 6., 14. und 19. Dezember jeweils um 20 Uhr im Musenkeller unter Bonifatiuskirche zu sehen. Eintritt acht Euro, ermäßigt sechs; Karten unter 0641-73724 oder unter www.musenkeller.de


Kritiken 2008 - Giessener Allgemeine

Verwirrendes wurde klar strukturiert

Das Theater »Musenkeller« zeigt unter der Bonifatiuskirche die Komödie »Bunbury« von Oscar Wilde

Dieses Wort hat das Zeug zum neuen Kultwort: »Bunburysieren«. Es bedeutet, sich für die Flucht aus dem eigenen Alltag ein Alibi zu verschaffen, indem man eine fiktive Person ersinnt. Niemand Geringeres als der spinnerte Musterdandy Oscar Wilde hat sich die Komödie »The Importance of being earnest« ausgedacht, im deutschen Sprachraum auch unter dem Titel »Ernst sein ist alles« oder kurz »Bunbury« bekannt. Eben jener ist der angebliche Freund des Gentlemen Alger-non, kurz Algy. Sein Freund John (auch Jack genannt) hat einen Ernst (Englisch: Ernest) in petto. So verwirrend ist das Theaterstück, dass Wilde dem eigentlichen Protagonisten für Irrungen und Wirrungen, William Shakespeare, den Rang streitig zu machen droht.
Wäre da nicht die klar strukturiert aufgebaute Regiearbeit von Guy Sagnes und das hoch motivierte Ensemble vom Theater »Musenkeller,« kaum jemand würde noch den Durchblick wahren. So unterschiedlich auch die ausgewählte Handlungsvorlage ist, die Laiendarsteller finden alle Jahre wieder auf die zuvor ausgelegte Erfolgsspur zurück. Vom Innenhof der St. Bonifatiuskirche (neben St. Josefskrankenhaus, Liebig-straße) führt der Weg an zwei Türen vorbei über eine Treppe nach unten, wo Gießens tiefst gelegene und heimeligste Bühen residiert. Darsteller und Publikum vis-ä-vis - näher geht es nicht mehr.
Wohlüberlegt wurden Wildes Charaktere dem Besetzungsteam zugeordnet. Michael Müller gibt den unbekümmerten Lebemann Algy, Dominik Müller spielt seriös und feingliedrig dessen Gegenpart John. Christina Küper-Ehler verkörpert Algys Tante Lady Augusta mit resolutem Regiment. Sie hängt ihr Fähnchen vorteilhaft in den Wind. Annette Filippi als Augustas Tochter Fairfax und Nina Gehring in der Rolle von Johns Mündel Cecily vollführen den tollsten Zickenkrieg. Filippi setzt einmal mehr ihren berühmtberüchtigten Augenaufschlag und ihre Fähigkeit zum affektierten Sprachduktus ä la Ingrid Steeger aus »Klimbim« ein.
Gouvernantenhaft und ein wenig verschmitzt gibt Katja Heikenwälder die Miss Prism, der eine Schlüsselrolle bezüglich Johns Herkunft zukommt, wie sich am Ende dieser reichlich verzwickten Geschichte herausstellt. In Nebenrollen Dominik Heinrichs (als Lane), Gerald Müller (Pastor Chasuble) und Dirk Enenkel (Merriman). Keine Mühen wurden bei der Ausstattung gescheut.
Das Interieur ist zweckmäßig, die Kostüme (Gehring) und Maske (Heikenwälder) mit aus geprägtem Sinn fürs Detail aufeinander abgestimmt. Unüberhörbar treten Wildes prägnante Ironie auf Gesellschaft und Kirche als Rundumschlag zutage. Die Dekadenz der besseren Kreise zu Wildes Lebzeiten muss demnach schon erstaunlich gewesen sein. Man klopfte dem Autor ja noch anerkennend auf die Schulter. Beste Unterhaltung!
Termine: 14., 30. November, 5., 6., 14., 19. Dezember, 20 Uhr (www.musenkeller.de). vh

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