Musenkeller

Theater Ensemble

Große Europapolitik zum Lachen


Spielfreudiges Ensemble bringt turbulente Farce "Alles in Butter" auf die Bühne / Begeistertes Premierepublikum


GIESSEN - (kjf). Sir Clive Patridge, gespielt von Christian Henkel, hat Großes vor. Noch ist er Mitglied der Europäischen Kommission, in Zukunft möchte er aber ihr Präsident werden. Der Brite gilt als Mensch mit tadellosem Lebenswandel und großer politischer Integrität. In Paris will sich Patridge mit seinem Vorgänger Jacques Berri (Michael Müller) treffen, um die Sache perfekt zu machen.

 Am Samstag hatte die Komödie "Alles in Butter" von Edward Taylor im Musenkeller der Gießener Bonifatiuskirche Premiere. 60 Besucher erlebten eine spritzige, turbulente Satire auf das Geschehen in der Europäischen Union und die große Politik im Allgemeinen. Regie führte Guy Sagnes, der mit sicherer Hand dem flotten Stück ein paar behutsame Aktualisierungen verpasst hatte.

Henkel verkörperte den Politiker Patridge mit großartiger Intensität als Karrieristen, der nur sein eigenes Wohl im Blick hat und skrupellos alle gegeneinander auszuspielen versteht. Hanna Weller spielte die Brüsseler Geliebte des Briten, die unerwartet in der kurzfristig angemieteten Wohnung auftaucht und die ersten Komplikationen in das gut geplante Geschehen bringt.

Überzeugend agiert auch Nina Gehring als Ehefrau Lady Gillian Patridge. Da hat der angehende Kommissionspräsident große Mühe, Frau und Geliebte in der kleinen Wohnung voneinander fern zu halten. Christian Wolf war der beflissene Botschaftsangestellte, der dafür zu sorgen hatte, dass es dem großen Politiker an nichts mangelte, wobei ihn Michael Bayer als sein Kollege Ernest Kibble nach Kräften unterstützte.

Natürlich misslingen die Aktionen der beiden Botschaftsangestellten ebenso wie die Versuche Patridges, seine Geliebte zurück nach Brüssel zu komplimentieren. Perfekt wird das Chaos aber erst, als die wirkliche Eigentümerin Louise Müller (brillant gespielt von Annette Filippi) auftaucht, die von den hochrangigen Untermietern nichts weiß.

Mit viel Spielfreude trieben die Darsteller das Verwechslungsspiel auf die Spitze und die Zuschauer in immer stärkere Heiterkeitsausbrüche, bis die Komödie mit dem Auftritt von Jacques Berri ihren Höhepunkt erreicht. Das Premierenpublikum war begeistert von dem turbulenten Spiel.

(Quelle - Giessener Anzeiger)

 

 

 

Reges Treibengi allg


Theaterensemble präsentiert Farce "Alles in Butter"


Größter Traum von Sir Pratridge ist, Präsident der Europäischen Kommission zu werden. Der Erfolgsmensch hat politische Lösungen parat, glaubt etwa, das Problem mit der Milchschwemme gemeistert zu haben. Ihn dem Ziel ein Stück näher zubringen verspricht die Dienstreise nach Paris. Die bissige Farce „Alles in Butter“ des englischen Autors Edwards Taylor (Jg 1931) feierte am Samstag im Untergeschoss der Bonifatiuskirche Premiere in der Inszenierung des Theaterensembles Musenkeller.

Regisseur Guy Sagnes schenkt der differenzierten Charakterzeichnung besondere Beachtung, Im Mittelpunkt steht Sir Clive Pratridge, dessen selbstbewusste, schneidige Züge Christian Henkel virtuos zur Geltung bringt. Pratridge Frau Gillian wirkt höchst anspruchsvoll, eingebildet und besserwisserisch. Nina Gehring vermittelt ein genaues Gespür davon, in welch abgehobenen Sphären sich die Lady zuweilen bewegt, wenn sie sich die Dichtkunst hingibt. Kein Wunder, das Clive bei einer derart schwer erträglichen Partnerin noch eine Affäre hat: Astrid, sensibel verkörpert von Hanna Weller, nimmt es hin, dass er verheiratet ist, duldet indes keine weitere Frau.

Christian Wolf spielt gelichermaßen souverän den aufmerksamen britischen Botschaftsekretär Simon Prout, der eigens für Pratridge in Paris eine Wohnung angemietet hat. Für Prout steht ebenso berufliches Fortkommen um jeden Preis im Mittelpunkt. So beleuchtet das Stück satirisch zugespitzt das blinde Karrieredenken mancher Diplomaten und politischen Funktionären. Die leiernde Eurovisionshymne unterstreicht, dass es nicht rund läuft. So klärt der Botschaftsangestellt Ernest Kibble seinen Kollegen Prout über den wahren Besitzer der Mietwohnung auf – nicht Herr Müller ist es, sondern dessen Frau Louise, schlagfertig gespielt von Annette Filippi. Michael Bayer setzt mit der braven, unbeholfenen Art, die er Kibble verleiht, gekonnt einen Charakterlichen Kontrapunkt.

Schauplatz ist allein das Appartement in Paris; es herrscht reges Treiben auf der Bühne, ständig gehen Personen ein und aus. Der Boiler gibt bedrohliche Geräusche von sich und zeigt beispielhaft, dass nichts zu recht funktioniert. Auf dem Weg nach Paros ist Clives Koffer verloren gegangen, nun sucht er händeringend einen Anzug, um bei Jacques Berri, dem noch amtierenden Präsidenten, einen guten Andruck zu hinterlassen. Köstlich, wie Authentisch Micheal Müller der vermeintlich sittenstrengen Spitzenpolitiker spielt, mit wunderbar rauchiger Stimme und französischem Akzent. Der hervorragenden Schauspieler lassen über kleinere Schwächen des Stückes hinwegsehen: Streckenweise macht sich inhaltsarme Geschäftigkeit breit, manche Gags nützen sich ab. Vorwiegend amüsiert indes die humorvollen, Spontaneität verströmend Dialoge. (Sascha Jouini)

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